Werte im Wandel

Prolog

Es wird oft kolportiert, der Oldtimermarkt sei tot.

Ist er das?

Die Antwort auf diese Frage möchte ich versuchen zu geben und zu erläutern. Wohl wissend, dass es nicht nur einen monetären Wert gibt, sondern auch einen emotionalen, lege ich zunächst den Fokus auf den erstgenannten. Dem zweitgenannten werde ich mich noch widmen. Wie bereits am Beispiel des Protagonisten meines letzten Blogs ersichtlich, ist ein Wandel im Gange. „Bianco Speciale“, ein Ferrari 250 GTO, ohne Frage eines der ikonischsten Automobile schlechthin, wurde zu einem Preis von 38,5 Mio. €/$ verkauft. Keine Frage: eine enorme Summe. Doch die Erwartungen im Vorfeld lagen teilweise beim Doppelten des letztlich erzielten Preises (Die Wertentwicklung des 250GTO habe ich mir ja bereits im letzten Blog genauer angesehen).

Carsten Teves

Sonntag, 22. Februar 2026

Die Vergangenheit – solide Anlage oder spekulative Blase?

Natürlich gab es in der Vergangenheit immer wieder Blasen, die geplatzt sind. Man denke an den Ferrari-Hype der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre rund um Modelle wie den Ferrari F40 oder an die Übertreibungen bei luftgekühlten Porsche-Modellen Mitte der 2010er-Jahre. Dennoch war der Klassikmarkt über Jahrzehnte hinweg – neben aller Liebhaberei – auch eine solide Anlageform.

Ein Blick auf ausgewählte Modelle verdeutlicht die langfristige Entwicklung:


Mercedes-Benz 300 SL Gullwing, Bj. 1954-1957 (1970–2025), Zustandsnote2 ( Quelle: Classic Date 01/2026)

  • 1970: ca. 25.000 €

  • 1985: ca. 250.000 €

  • 2005: ca. 500.000–700.000 €

  • 2015 (Peak-Phase): 1,0-1,2 Mio. €, starker Anstieg von 2012 von ca. 500k auf 1,0-1,2Mio. in 2014-2021

  • 2026: ca. 1,2–1,4 Mio. €, weiterer Sprung von 2022 1,4 Mio. seither konstant


Mercedes-Benz 190 SL, Bj. 1955-1963 (1970–2025), Zustandsnote2 ( Quelle: Classic Date 01/2026)

  • 1970: ca. 8.000–12.000 €

  • 1990: ca. 40.000 €

  • 2015: ca. 120.000–130.000 €, 2013 starker Anstieg von ca. 70.000€ auf 120.000-130.000€ in 2015-2019

  • 2025: ca. 100.000–110.000 €, deutlich unter Höchstständen, Konsolidierung


Porsche 911S F-Modell , Bj. 1966-1968 (1980–2025), Zustandsnote2 ( Quelle: Classic Date 01/2026)

  • 1980: ca. 20.000–30.000 DM

  • 2000: ca. 20.000–30.000 €

  • 2016 (Peak): 120.000–160.000 €, starker Anstieg von 2012 von 60.000€ auf 160.000€ 2016

  • 2025: ca. 80.000–130.000 €, Marktberuhigung


Porsche 356 B Coupé, Bj. 1959-1963 (1970–2025), Zustandsnote2 ( Quelle: Classic Date 01/2026)

  • 1970: ca. 10.000 €

  • 1990: ca. 35.000–50.000 €

  • 2015: 80.000-90.000 €, starker Anstieg von 2014, 45k auf 85-95 in 2016/2017

  • 2025: ca. 60.000-65.000 €, rückläufige Tendenz au ca. 65k


Ferrari 330 GT 2+2 , Bj. 1963-1967 (1970–2025), Zustandsnote2 ( Quelle: Classic Date 01/2026)

  • 1970: ca. 15.000 €

  • 1990: ca. 70.000 €

  • 2015: ca. 300.000 €, starker Anstieg von 2013-2015 von 100.000€-300.000€

  • 2025: ca. 250.000–270.000 €, leichte Korrektur


Ferrari F355 Berlinetta, Bj. 1994-1996 (1990–2025), Zustandsnote2 ( Quelle: Classic Date 01/2026)

  • 1995: ca. 120.000 €

  • 2005: ca. 60.000 €

  • 2018: ca. 130.000–160.000 €

  • 2025: ca. 110.000–140.000 €, stabil bis leicht fallend, Einbruch in 2025/26 von 116.000€ auf 105.000€


Ferrari 348 TB, Bj. 1989-1993, (1990–2025), Zustandsnote2 ( Quelle: Classic Date 01/2026)

  • 1992: ca. 110.000 €

  • 2005: ca. 40.000 €, stark steigend seid etwa 2015

  • 2018: ca. 55.000 €

  • 2025: ca. 70.000–72.000 €, konstant steigend


Mercedes-Benz W123 Limousine, Bj. 1980-1985 (1980–2025)

  • 1985: Neupreis ca. 30.000–40.000 DM

  • 2005: ca. 1.500–4.000 €

  • 2020: ca. 10.000–12.000 €

  • 2025: ca. 14,000€, stabile Nachfrage nach guten Exemplaren, konstanter Anstieg seit 2012


Mercedes-Benz W124 Limousine 230E, Bj.1985-1989  (1990–2025)

  • 1995: Neupreis ca. 50.000 DM

  • 2010: ca. 2.000–3.000 €

  • 2025: ca. 8.000–10.000 €, starker Trend ab 2018 von ca. 4.000€ steigend


Lamborghini Countach (1980–2025), Zustandsnote2 ( Quelle: Classic Date 01/2026)

  • 1985: ca. 250.000 DM

  • 2000: ca. 150.000 €

  • 2016 (Peak): 800.000–1,2 Mio. € starker Trend ab 2014 von ca. 300.000€ steigend

  • 2025: ca. 600.000–900.000 €, weiterhin hoch, aber unter Höchstständen / stabil seit 2015 gewichtet 860.000€


BMW E30 M3 (1990–2025)

  • 1995: ca. 35.000 DM

  • 2005: ca. 12.000–20.000 €

  • 2018: ca. 70.000–75.000 € starker Trend ab etwa 2014

  • 2025: ca. 60.000–85.000 €, konstant steigend

Das Muster hinter den Zahlen

An dieser bunten Liste von Beispielfahrzeugen lässt sich ein Muster erkennen:

Preise steigen immer dann, wenn die Menschen – leider zumeist männlich –, die in ihren Kinder- oder Jugendtagen mit diesen Fahrzeugen in Kontakt gekommen sind, ins solvente Alter kommen. Man hat sich im Beruf etabliert, die Kinder sind aus dem Gröbsten heraus, das Eigenheim steht. Der Fokus verschiebt sich.

Gemeint ist die Altersgruppe 40+.

Aktuell befinden wir uns – demographisch betrachtet – mitten in den „wilden 80-90ern“. Bemerkenswert ist, dass es sich dabei nicht nur um Ikonen wie den Lamborghini Countach handeln muss. Auch einstige Alltagsautos wie W123 oder W124 entwickeln sich zu gesuchten Klassikern.

Wandern wir weiter in der demographischen Pyramide Richtung 70+, bewegen wir uns zeitlich in die 1950er-Jahre. Hier denken wir sofort an Porsche 356 oder 190 SL. Genau diese Modelle haben vielerorts ihren Zenit überschritten und befinden sich in einer Phase der Konsolidierung.

Noch drastischer zeigt sich dieser Effekt bei Vorkriegsfahrzeugen. Sie sind fahrerisch anspruchsvoll, körperlich fordernd – und die Generation, die sie noch aus eigenem Erleben kennt, wird naturgemäß kleiner.

Der Wandel ist also kein rein wirtschaftlicher. Er ist biologisch.


Chancen in der Konsolidierung

Bleiben wir auf der materiellen Ebene.

Aus Konsolidierungen entstehen Chancen. Fahrzeuge werden – oft, wenn auch nicht immer – nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten konserviert oder restauriert. Das bedeutet: Ein Porsche 356 zum Beispiel wurde möglicherweise für Summen restauriert, die heutige Marktpreise kaum noch rechtfertigen. Kommt ein solches Fahrzeug nun auf den Markt, liegt der Preis zwar unter früheren Höchstständen, die Substanz jedoch bleibt.

Das eröffnet Chancen für Käufer mit Weitblick.

Muss es zwingend ein 911 sein – oder ist der 356 nicht vielleicht die charismatischere, historischere Alternative?


Wenn nicht jetzt, wann dann?


Noch einen Absatz zur Sonderstellung von ikonischen Fahrzeugen wie 300SL, Ferrari 250GTO, … Die Vergangenheit zeigt; dass Automobiele dieses Kaliebers, Fahrzeuge mit besonderen Vorbesitzern oder belegter Rennhistorie, aber auch hervorragend dokumentierte Fahrzeuge eine Sonderstellung am Markt einnehmen. Sie immer Ihren Wert behalten werden oder solide weiter entwickeln.

Um hier ein Zitat eines der renommiertesten Klassikhändler, Simon Kidston, zu bemühen

„Wir verkaufen keine Automobile; wie verkaufen Geschichten“

Die wahren Werte

Nun zur immateriellen Seite – jener, die sich jeder Marktanalyse entzieht. Für mich liegt die Faszination von Oldtimern immer auch in der Bewahrung der Vergangenheit. In einem Fahrzeug zu fahren, in dem bereits viel Leben stattgefunden hat: Reisen, Dramen, Glücksmomente.

Je älter ich werde, desto stärker rücken diese Gedanken in den Vordergrund. War für mich ein Vorkriegsfahrzeug – und ich meine damit die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg – früher nie wirklich interessant, so ziehen mich diese Automobile zunehmend in ihren Bann.

Mein persönlicher Kandidat, da bin ich mit mir im Reinen, ein Bentley 3½ Litre Sports Saloon aus den 1930er-Jahren.

Vielleicht werde ich damit meine eigenen Thesen eines Tages selbst widerlegen ,die Demographie aufsprengen und mich dem mondänen Reizen des gefallenen Empires ergeben.

Epilog

Ist der Oldtimermarkt am Ende?
Nein. Er wandelt sich!

Er folgt demographischen Verschiebungen, emotionalen Erinnerungen, wirtschaftlichen Zyklen. Manche Segmente konsolidieren, andere entstehen neu. Wer nur auf kurzfristige Rendite schielt, wird enttäuscht sein. Wer jedoch Marktmechanismen versteht – und darüber hinaus die emotionale Dimension begreift –, erkennt die Vielschichtigkeit dieses besonderen Marktes.

Wie auch immer meine eigenen Entscheidungen ausfallen mögen:

Dieser Beitrag soll ein Impuls sein. Zum Verständnis eines Marktes, der rational analysiert – und zugleich mit dem Herzen verstanden – werden will.

Bein Verständnis und vielleicht auch dabei, keine schwerwiegende Fehlentscheidung aus emotionalen gründen zu treffen, will ich gerne mit meiner Expertise beitragen.

Kommen Sie auf mich zu und wir finden eine Lösung…


QUELLEN

NN.de, Archivfoto, Roland Huber; Zwischengas, Classic Data