Verkauf des „Bianco Speciale“ Anfang Januar 2026 in Florida

Carsten Teves

Dienstag, 20. Januar 2026

Prolog

Anfang Januar 2026 sorgte ein ganz besonderes Automobil für Schlagzeilen in der Klassiker-Szene: Der Ferrari 250 GTO „Bianco Speciale“, Chassisnummer 3729 GT, wechselte bei einer großen Versteigerung von Mecum Auctions in Kissimmee, Florida den Besitzer. Dieses Einzelstück gilt als das einzig in weiß ausgeliefertes Exemplar des legendären 250 GTO und gehört zu den begehrtesten Sammlerfahrzeugen überhaupt — eine Nachricht, die die weltweite Oldtimer-Gemeinde elektrisierte. 

Geschichte des Ferrari 250 bis zum 250 GTO

Der Name „250“ steht bei Ferrari für eine legendäre Reihe von Sport- und Rennwagen, bei denen die Zahl für 250 cm³ Hubraum pro Zylinder steht. Bereits in den 1950er-Jahren schufen die Italiener mit Modellen wie dem 250 GT Grand Turismo eine Ikone des automobilen Hochleistungssports. 

Auf dieser Tradition aufbauend entwickelte Ferrari Anfang der 1960er-Jahre ein Fahrzeug, das den neuesten FIA-Reglementen für die „Gran Turismo Omologato“–Klasse (GTO) entsprechen sollte — sprich: ein straßenzugelassener Rennwagen, der für den internationalen GT-Sport homologiert wurde. Dafür musste der Hersteller eine gewisse Anzahl identischer Fahrzeuge bauen, und so entstand zwischen 1962 und 1964 der Ferrari 250 GTO, eine radikal weiterentwickelte Rennversion mit optimierter Aerodynamik, Leichtbau-Chassis und einem kraftvollen Motor. 

Der 250 GTO kombinierte einen 3,0-Liter-Colombo-V12-Motor mit einem leichten Gitterrohrrahmen und aerodynamisch geformter Aluminiumkarosserie — ein Setup, das den Wagen schnell zu einem der erfolgreichsten GT-Rennfahrzeuge seiner Ära machte. Mit nur 36 offiziell gebauten Exemplaren zählt der 250 GTO heute zu den rarsten und teuersten Klassikern weltweit.

Spezifische Geschichte von Chassisnummer 3729 GT („Bianco Speciale“)

Produktion und Besonderheit

Der Ferrari 250 GTO Chassis 3729 GT wurde am 7. Mai 1962 fertiggestellt und zeichnet sich durch ein einzigartiges Detail aus: Er ist der einzige 250 GTO, der ab Werk in der Farbe „Bianco Speciale“ (Perlweiß) ausgeliefert wurde — ein Novum bei einem Modell, das traditionell in Ferrari-Rot (Rosso Corsa) lackiert wurde. Diese Ausnahme wurde auf Wunsch des ersten Besitzers, des britischen Rennstall- und Teamchefs John Coombs, ermöglicht und erforderte offenbar interne Zustimmung seitens Ferrari. 

Rennsport und Einsatz

Noch im Sommer 1962 debütierte der Bianco Speciale bei internationalen Rennen. Am 6. August 1962 startete das Fahrzeug beim BRSCC Peco Trophy Race in Brands Hatch und wurde von Roy Salvadori auf den zweiten Platz gefahren. Kurz darauf erreichte Graham Hill beim RAC Tourist Trophy Race in Goodwood ebenfalls den zweiten Platz — Resultate, die wesentlich zur sportlichen Reputation des Wagens beitrugen. 

Während seiner aktiven Rennzeit wurde der Wagen nicht nur von bekannten Piloten wie Mike Parkes, Mike McDowell, Richie Ginther und Jack Sears pilotiert, sondern er gewann 1963 auch den GT-Klassensieg beim Guards Trophy Race in Brands Hatch — erneut unter Jack Sears

Eine weitere Anekdote der Historie berichtet, dass Coombs den Wagen zeitweise den Ingenieuren bei Jaguar leihweise zur Verfügung stellte, um ihnen Einblicke in Aerodynamik und Technik für deren Lightweight-E-Type-Projekt zu geben — ein ungewöhnlicher Beitrag zur britischen Konkurrentenentwicklung.

Besitzverhältnisse und Erhalt

Nach dem Ende seiner aktiven Rennkarriere wechselte 3729 GT mehrfach den Besitzer: von John Coombs über verschiedene Sammler bis hin zu Jack Sears, der das Fahrzeug fast drei Jahrzehnte lang behielt. 1999 wanderte der Ferrari in die Sammlung von Jon Shirley, einem amerikanischen Sammler und ehemaligen Microsoft-Manager, der das Fahrzeug seitdem in ausgezeichnetem Originalzustand pflegte — es wurde nie komplett restauriert, sondern nur behutsam instand gehalten. Die Echtheit und Originalität des Fahrzeugs wurde 2008 mit dem Ferrari Classiche Red Book bestätigt. Der neue Besitzer, David Lee aus Kalifornien, dürfte sich über seine Neuerwerbung freuen. Besitzt er doch bereits eine umfangreiche Ferrarisammlung.

Epilog — Versteigerungsergebnis und Markteinschätzung

Bei der Mecum-Auktion in Kissimmee, Florida, Anfang Januar 2026 wurde der Ferrari 250 GTO „Bianco Special“ schließlich für 38,5 Mio.$ verkauft — in einem global beachteten Auktionsereignis mit Hunderten Klassikern und Sportwagen. Die Spekulationen im Vorfeld hatten einen möglichen Verkaufspreis von mehreren zehn Millionen US-Dollar, womöglich bis über 70 Millionen $ prognostiziert. Dass deutlich jüngere Klassiker mit dem “Cavallino Rampante” den 3729 GT in den Schatten stellten, überraschte dann aber selbst Branchenkenner. Mit fast 18 Mio.$ wurde nämlich ein Ferrari Enzo aus dem Jahr 2003 beinahe halb so teuer verkauft.

Das zeigt klar, dass der Klassiker-Markt insgesamt immer noch stark ist, aber die Bäume nicht mehr endlos in den Himmel weiterwachsen: Seltene, historisch belegte Fahrzeuge erzielen bei Auktionen regelmäßig Toppreise, getrieben von einem weltweit großem Sammlerkreis, der Automobile nicht nur als Investition, sondern auch als Kulturgut betrachtet. Der Verkauf eines 250 GTO – und hier ganz besonders eines einzigartigen Exemplars wie 3729 GT – unterstreicht dies.

Es ist aber klar ersichtlich; dass es eine Verschiebung des Sweetspots, was die Begehrlichkeit der Fahrzeuge angeht, gibt. Befinden sich Vorkriegsfahrzeuge bereits seit Längerem in einer Konsolidierungsphase, so setzt sich diese Tendenz auch auf die Nachkriegszeit bis in die Siebziger-Jahre des letzten Jahrhunderts fort.

Neuer Fokus liegt auf den Achzigern bis frühen 2000er Jahren wie das Beispiel mit dem „Enzo“ eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Angesichts solcher Ergebnisse bleibt der Markt für exklusive Klassiker robust, mit einer Tendenz zu weiter steigenden Preisen für herausragend erhaltene, dokumentierte und historisch bedeutende Fahrzeuge.

Fazit

Der Ferrari 250 GTO „Bianco Speciale“ Chassis 3729 GT ist mehr als ein Rennwagen — er ist ein Stück Automobil-Legende, das die Faszination und Wertentwicklung historischer Sportwagen eindrucksvoll symbolisiert und in erheblichen Maße zum Mythos Ferrari beiträgt. 

 

Technische Daten – Ferrari 250 GTO (gesamt)

Baujahre

1962–1964

Anzahl gebaut

36 Exemplare

Motor

3,0 Liter Colombo-V12

Leistung

ca. 300 PS bei ca. 7.400 U/min

Hubraum

2.953 cm³

Vergaser

3× Weber DCOA/40

Getriebe

5-Gang manuell

Antrieb

Heckantrieb

Bremssystem

Scheibenbremsen vorne und hinten

Karosserie

Aluminium auf Gitterrohrrahmen

Leergewicht

ca. 880 kg

Höchstgeschwindigkeit

ca. 270–280 km/h

Beschleunigung (0–100 km/h)

ca. 6,1 Sekunden

Diese Werte stammen aus historischen technischen Angaben zum 250 GTO generell und gelten für die meisten Chassis mit Serie-I-Karosserie.

Rennhistorien-Chronologie – Ferrari 250 GTO „Bianco Special“ (Chassis 3729 GT)

Jahr

Ereignis / Rennen

Ergebnis / Fahrer

1962 (Produktion)

Fertigstellung des Fahrzeugs am 28.07.1962 in Bianco Speciale

1962

Teilnahme beim RAC Tourist Trophy – Goodwood

2. Platz – Graham Hill (laut Road & Track)

1962

BRSCC Peco Trophy, Brands Hatch

2. Platz – Roy Salvadori

1963

Guards Trophy, Brands Hatch

Klassensieg – Jack Sears

1963/64

Diverse britische GT-Rennen

Mehrere 2. Plätze – u. a. Mike Parkes, Richie Ginther

Nach Rennzeit

Ende aktive Rennteilnahmen, Übergang in Sammlerkreis

1999

Erwerb durch Sammler Jon Shirley (USA)

2025/26

Vorbereitung auf Mecum-Versteigerung

Diese Rennchronologie basiert auf bekannten Rennen, in denen 3729 GT teilnahm, inklusive dokumentierter Podiumsplätze.

Bekannte Verkaufsergebnisse – Ferrari 250 GTO (1990 bis heute)

Hinweis: Preise variieren je nach Auktionshaus, Fahrzeughistorie und Abschlussstatus. Manche sind Auktionsergebnisse, andere bekannte Privateverkäufe. 

Jahr

Chassis-Nr. (Beispiel)

Verkaufspreis (ca.)

Art der Transaktion

1990

~13 Mio. USD

Auktion / frühe Markterholung

1998

3729GT

~6 Mio. USD

Auktion / frühe Preissteigerung

2000

3413GT

~7 Mio. USD

Auktion

2004

3223GT

~10,6 Mio. USD

Auktion

2010

~26 Mio. USD

Auktion

2012 (Mai)

3505GT

~35 Mio. USD

Auktion

2013 (Okt)

5111GT

~52 Mio. USD

Auktion

2014 (Aug)

3851GT

~38,1 Mio. USD

Auktion-Rekord damals

2018

3413GT

~48,4 Mio. USD

RM Sotheby’s Rekordauktion

2023 (Nov)

3765LM

~51,7 Mio. USD

RM Sotheby’s Rekord

2026

3729GT

~38,5 Mio. USD

Mercum

Übersicht der wichtigsten dokumentierten Verkaufspreise bei öffentlichen Auktionen und bekannten Privaten Veräußerungen. Preise sind gerundet und je nach Quelle leicht unterschiedlich.

QUELLEN

RAC Tourist Trophy 1964: Im Besitz von Eddie Portman und Richie Ginther am Lenkrad ging die Karriere des „bianco speciale“ zu Ende. Copyright / Fotograf: Goddard Picture Library - Courtesy Mecum ,Ferrari 250 GTO "Bianco Speciale" (1962) bei Mecum Auctions – Exterieur Copyright / Fotograf: Mecum Auctions